Geschichte

Geschichte über 900 Jahre

 

Ursprünge im Mittelalter: Die Herren von Jegistorf

Das Todesjahr Bertholds II. von Zähringen 1111 wird oft als legendäres, jedoch nicht nachweisbares Datum der Erbauung des Schlosses genannt. In den Quellen nachweisbar ist Hugo von Jegistorf, der in einer Urkunde von 1175 genannt wird. Die Wehrburg dieser zähringischen Gefolgsleute dürfte spätestens um 1200 als Holzburg bestanden haben. Im 14. Jahrhundert erlosch das Geschlecht von Jegistorf. Die Herrschaft mit Gerichtsbarkeit, Burg und Kirchensatz zu Jegenstorf befanden sich um 1300 zu nicht näher bestimmbaren Anteilen im Besitz der Berner Familien Buwli, von Erlach, Frieso, Gloggner, von Schwanden, Spilmann, von Torberg und Zigerli.

Besitzerfamilien von Erlach, von Bonstetten und von Wattenwyl

Die in der Stadt Bern aufstrebende Familie von Erlach schaffte es in einem Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren durch geschickte Heiratspolitik und Ankäufe sämtliche Herrschaftsanteile von Jegenstorf in ihren Besitz zu bringen. Johann von Erlach (1474-1539) wurde 1519 alleiniger Herr zu Jegenstorf und im selben Jahr auch Schultheiss von Bern.

1583 erwarb Ulrich von Bonstetten (1548-1607) die Herrschaft Jegenstorf. In der Zeitspanne von 1670 bis 1719 können anhand von Abbildungen Umbauten an der Burg Jegenstorf ausgemacht werden. Durch die Vermählung von Ulrich von Bonstettens Enkelin Anna (1626-1660) mit Niklaus von Wattenwyl (1624-1679) gelangte die Herrschaft Jegenstorf im Jahr 1675 in dessen Besitz. Er vermachte diesen 1679 an seinen Sohn Niklaus (1653-1691), der acht Jahre zuvor auch die Freiherrschaft Diessbach bei Thun (heute Oberdiessbach) von seinem Onkel Albrecht von Wattenwyl erben konnte. Er liess den Burggraben auffüllen, Alleen und ein Gartenparterre anlegen sowie das Hauptgebäude (Palas) befenstern.

1720: Umbau zum Barocklandsitz durch Albrecht Friedrich von Erlach

Albrecht Friedrich von Erlach kaufte 1720 die Herrschaft Jegenstorf. Er erweiterte die veraltete Anlage und baute sie zu einem barocken Landsitz um, einem Lustschloss mit Parkanlage. Albrecht Friedrich von Erlach verkaufte die Herrschaft und das Schloss Jegenstorf jedoch bereits 1748 an seinen Sohn Karl Ludwig, nachdem er von seinem Vater Hiernoymus Hindelbank übernommen hatte.

Letzte Besitzerfamilie: Familie von Stürler

Karl Ludwig von Erlach überliess 1758 das Schloss Anton Ludwig Stürler, behielt jedoch die Herrschaftsrechte. Es deutet vieles darauf hin, dass der begüterte Offizier Anton Ludwig Stürler (1725–1797) den Park des Schlosses Jegenstorf in den Jahren 1758 bis 1764 umgestalten oder erweitern liess. 1765 verkaufte Anton Ludwig Stürler das Haus an seinen Bruder Johann Rudolf Stürler, genannt «Mylord». Dessen gleichnamiger Sohn war ab 1789 Schlossbesitzer. Er erlebte im Zuge des Franzoseneinfalls die Märztage von 1798 im Schloss und berichtete später, dass sein reich gefüllter Weinkeller das Schloss vor weiterer Plünderung und Verwüstung durch die Franzosen verhinderte. Nach eigenen Angaben verkaufte er das Schloss 1812 aus finanziellen Gründen an seinen entfernten Cousin Rudolf Gabriel Stürler von Serraux.

Anfang 20. Jahrhundert: Innenumbau

Während das Äussere des Schlosses fast unverändert den Zustand nach dem Umbau um 1720 bewahren konnte, wurde das Innere in den Jahren 1912 bis 1916 im Stil des 18. Jahrhunderts ausgestattet. Die Einrichtungen, Renovierungen und Umbauten wurden im Auftrag des letzten privaten Besitzers Arthur von Stürler (1874–1934) durch die Berner Architekten Willy Stettler und Fritz Hunziker entworfen und ausgeführt. Das Schloss Jegenstorf wurde 1905 als erstes Gebäude im Amt Fraubrunnen elektrifiziert. Die meisten Räume des Hauses erhielten Zentralheizung und/oder prunkvolle Kachelöfen (alle aus dem 18. Jahrhundert).

Nach dem Ableben des letzten privaten Schlossbesitzers musste das Schloss aus Liquiditätsgründen verkauft werden. 1936 kaufte der Verein zur Erhaltung von Schloss Jegenstorf die Besitzung. Nach und nach wurde das Museum in Innern eingerichtet.

Zweiter Weltkrieg und Folgejahre: Kommandoposten und Kaiserresidenz

Ein Hauch von Schweizer Geschichte wehte vom Herbst 1944 bis in den Sommer des folgenden Jahres durch die Mauern des Schlosses. Am 9. Oktober 1944 verlegte General Henri Guisan den Kommandoposten der Schweizer Armee von Interlaken nach Jegenstorf. Für seinen persönlichen Gebrauch beanspruchte der General zwei Räume im Südwest-Flügel des ersten Stocks. Das Eckzimmer (9) diente ihm als Schlafzimmer, der anschliessende Raum (10) als Arbeitsraum.

Dank des Staatsbesuchs des äthiopischen Kaisers Haile Selassie im Jahr 1954, der im Schloss Jegenstorf untergebracht worden ist, kann sich Schloss Jegenstorf als temporäre Kaiserresidenz bezeichnen.

Im Folgejahr ging das Schloss vom Verein Schloss Jegenstorf in den Besitz der neu gegründeten Stiftung Schloss Jegenstorf über.