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Von der Burg zum Schloss. Der barocke Erweiterungsbau von 1720

Weitergebaut wurde auf Schloss Jegenstorf stetig. Von den jeweiligen Besitzerfamilien wurden im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Erweiterungen und Umbauten an Schloss Jegenstorf vorgenommen. Der prägendste Schritt von der mittelalterlichen Wehrburg zum repräsentativen, eleganten Wohnschloss mit grosszügiger Gartenanlage erfolgte jedoch 1720 unter Albrecht Friedrich von Erlach (1696–1788). Er liess seinen neuen Herrschaftssitz nicht neben die bestehende Burg bauen, sondern integrierte diese geschickt in den barocken Um- und Erweiterungsbau. Die heutige Schlossanlage umfasst die ehemalige Burg daher nicht nur im kulturhistorischen Sinne als ihr Herzstück, sondern sie gründet auf deren Fundamenten, übernahm deren Grundstruktur als Ausgangslage und weist mit dem Bergfried in ihrem alles überragenden Zentrum auch architektonisch ein markantes Element auf, das für weit zurückreichende Herrschaftsansprüche und zugleich für herrschaftliche Kontinuität steht.

Albrecht Friedrichs Prachtliebe und Repräsentationsbedürfnis manifestierten sich in seinem Bauvorhaben, den neuen Herrschaftssitz gemäss seinen Ansprüchen und Vorstellungen umzugestalten. Von Erlach hatte die während seiner ausgedehnten Auslandaufenthalte aufgenommenen Eindrücke und Ideen zurück in die Heimat gebracht und als Bauherr in die Pläne mit einfliessen lassen. Entweder zusammen mit einem uns unbekannten Architekten oder einfach mit einem Werkmeister, dem er eigene Entwürfe und Anweisungen gab, erweiterte er die bestehende Burganlage zu einem nach barockem Vorbild auf Allansichtigkeit ausgerichteten Schloss mit vier Schaufassaden auf fast quadratischem Grundriss. Es erhielt zu dem einen, bereits bestehenden Eckturm im Südosten drei weitere, identische dazu und wurde rundherum mit grossen, regelmässig gesetzten Fenstern ausgestattet. Die Fassaden wurden weiss verputzt, Ecklisenen und Gurtgesimse dreidimensional in Ockerfarbe mit Schattenfugen und Lichtpunkten aufgemalt, die Dachuntersicht rot gefasst. Nach Abschluss der Bauarbeiten war «Stärnebrächts» Schloss voll und ganz auf der Höhe der Zeit.

Vortrag und Führung mit PD Dr. Dieter Schnell. Eine Veranstaltung im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals zum Thema «Weiterbauen».